Bildband

 

pieces of jazz in black and colour

Ein Jazzbildband von Karl-Heinz Schmitt

erschienen im Nieswand Verlag mit einem Vorwort von Hans- Jürgen Schaal.
Design von Ingo Wulff

Sprache     deutsch/englisch
Einband     gebunden
Seiten     112
Größe     24,5 x 33 cm
55 Farb- und Duotonefotografien
Erscheinungsjahr     2000
ISBN     978-3-926048-92-9

 

Fotografien aus dem Buch finden Sie in der Foto- Galerie

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Vorwort

 

„Wenn die Musik vorüber ist, ist sie in der Luft verflogen. Du kannst sie nie wieder einfangen.“

Eric Dolphy

 

Improvisierte Fotografie

Für die Romantiker war die Musik die mächtigste der Künste, eine Sprache jenseits der Sprachen, unerreichbar für Begriffe. Jeder, der über Musik schreibt, macht diese Erfahrung immer wieder neu, immer wieder anders: Er mag Musik schildern und analysieren, so gut er kann, aber die Gegenwärtigkeit ihres Erklingens, ihre Macht des Augenblicks, lässt sich sprachlich nicht fassen. 1938 entdeckte der Amerikaner William Gottlieb ein Mittel, um dieses Defizit seiner Jazz-Kritiken auszugleichen: die Fotografie. „Die Bilder griffen über das hinaus, was ich in Worten sagen konnte“, erinnert er sich. „Was ich geschrieben habe, ist heute so gut wie vergessen, aber die Fotos sind noch immer lebendig.“ Das Bild als Vergegenwärtigung von Unsichtbarem, von Sprachlosem – von verklungener Musik. Dem Jazz-Kritiker scheint es manchmal, als näherte sich der Fotograf von der entgegengesetzten Seite des Berges – und als käme er auf dieser Aufstiegsroute dichter an die Musik heran, als Worte es je könnten. Wie der spielende Musiker verzichtet der Fotograf auf Begriffe und Kategorien. Stattdessen nimmt sein Bild den Moment auf, die Vibration von Individualität, Emotion und Atmosphäre, die Wahrheit von Licht und Schatten, das magische Fluidum des Raums, das Geschehen im Jetzt, das im Jazz so entscheidend ist. Improvisierend fängt es die Improvisation ein. Karl-Heinz Schmitt gehört zu diesen Improvisatoren der Fotografie. Er arrangiert nichts, er inszeniert keine Posen, Situationen und Beleuchtungen. Er fotografiert, was er vorfindet.
Mit 14 Jahren hat er zum ersten Mal eine eigene Kamera gehabt, im gleichen Alter entdeckte er auch die Musik. Heute fährt er zu Konzerten nach Den Haag oder Duisburg, nach Bochum oder Bonn, und hat die Kamera dabei. Er besucht Konzerte, weil ihn die Musik interessiert. Das Fotografieren, sagt er, ist nur ein Nebenprodukt, ein Hobby ohne Erfolgsdruck. Er will auch nicht auffallen, sich nach vorne drängen oder unter die Musiker mischen. Der Fotograf Schmitt bleibt an seinem Platz, hofft auf ausreichendes Licht und wartet höflich die Augenblicke ab, in denen ein Klicken nicht stört. Höchstens 3 Filme verknipst er am Abend, daraus wählt er die besten Bilder aus, die Glückstreffer. Die Fotos dieses Bandes sind Erstveröffentlichungen; manche hat er in seinem Fotogeschäft in Andernach schon einmal ausgehängt, an Zeitungen verkauft hat er sie nicht. Eben nur ein Nebenprodukt.
Improvisieren heißt: ohne vorgefassten ästetischen Entwurf an eine Sache herangehen, ohne einen Gedanken an höheren Ausdruck, ohne eine sichere Vorstellung vom Ergebnis. So entstehen spontane, ungeplante Ansichten vom musikalischen Geschehen: die Energie im Gesicht eines Musikers, Details von Händen und Instrumenten, flüchtige Profile – die Schwarzweiß- Realität der Jazzbühne. Bassisten, sagt Schmitt, seien durch ihr Instrument besonders fotogen, Pianisten dagegen, wegen des oft ungünstigen Sitzwinkels zum Publikum – meist weniger geeignet. Viele Situationen und Bewegungen auf diesen Fotos erinnern an die Welt von Sportlern, Architekten, Handwerkern. Immer wieder: geschlossene Augen, zupackende Finger, konzentrierte Gesichter. Wir sehen die Hingebung an Töne, die wir nicht hören. Drumherum: Schwärze und Raum, das dunkle Rätsel der wortlosen, unfassbaren Musik, eine andere Wirklichkeit inmitten der uns bekannten. Einfach nur ansehen und Freude daran haben, rät der Fotograf. Aber gerade das Sprachlose provoziert unsere Gedanken.

Hans-Jürgen Schaal

www.hjs-jazz.de

Fotografien aus dem Buch finden Sie in der Foto- Galerie